

Ordination
Dr. med. Erwin Rebhandl
Der Begriff der Osteopathie geht auf den amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917) zurück. Das Wort selbst leitet sich aus dem lateinischen Os = Knochen und dem griechischen pathos = Leiden ab.
Still wählte diesen Begriff, da er einen fundamentalen Zusammenhang zwischen der Funktion des Muskel-Skelett-Apparates und allen übrigen Funktionssystemen des menschlichen Körpers, wie Kreislauf-, Hormon-, Verdauungs-, Nervensystem etc. erkannte. 1892 gründete er die erste osteopathische Schule.
John Martin Littlejohn, einer von Stills Schülern gründete 1917 die „British School of Osteopathy“ und brachte damit die Osteopathie nach Europa. In den folgenden Jahren sollte die Osteopathie jedoch zunächst auf den englischsprachigen Raum (USA, Kanada, England, Australien, Neuseeland) beschränkt bleiben.
Im deutschsprachigen Raum wurden als manuelle Behandlungsmethoden die Manuelle Medizin und die Chiropraxis bekannt, die der strukturellen Osteopathie nahe stehen, jedoch keinen explizit holistischen Ansatz verfolgen.
Ein anderer Schüler Stills, Dr. William Gardner Sutherland, begann bereits in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts seine Hypothese über die Beweglichkeit des menschlichen Schädels und die Dynamik der Gehirnrückenmarksflüssigkeit zu entwickeln und wurde somit zum Begründer der Cranio-Sacralen Osteopathie (oder CS-Therapie ).
Die Osteopathie ist heute in den USA ein Universitätsstudium, das mit dem Titel D.O.=doctor of osteopathy abgeschlossen wird.
In Europa werden sechsjährige Teilzeitausbildungen angeboten, die im Allgemeinen nur für ÄrztInnen und PhysiotherapeutInnen zugänglich sind.
Unter Osteopathie versteht man ein ganzheitlich orientiertes (holistisches) Untersuchungs- und Behandlungssystem, dessen Ziel die Wiederherstellung der Selbstregulationsmöglichkeiten des individuellen Organismus ist.
Die Osteopathie baut insbesondere auf den medizinischen Fächern der Embryologie, Anatomie und Physiologie auf und bettet dieses Wissen in einen holistischen Kontext ein, der auf den folgenden Prinzipien beruht:
Eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit ist eine gute Zirkulation aller Körperflüssigkeiten (Blut, Lymphe, Gehirnrückenmarksflüssigkeit). Verlust von mechanischer Beweglichkeit und zu hohe Spannung im Gewebe führen letztendlich zu Einschränkungen im dynamischen Verhalten von Körperflüssigkeiten und in Folge zur Verschlechterung der Ver- und Entsorgungslage im betroffenen Areal.
Grundsätzlich kann man die therapeutischen Ansätze der Osteopathie in drei Bereiche gliedern, die jedoch fließend ineinander übergehen und nicht einzeln aus dem Gesamtwesen herausgestellt werden können.
Jene Körperstrukturen, die das verbindende Element zwischen den drei Bereichen am besten zu Ausdruck bringen, sind die Faszien. Faszien kommen so gut wie überall im Körper vor. Sie bilden Hüll- und Schutzschichten, trennen Geweberäume (z.B. Muskellogen) und sind über den gesamten Körper hinweg in Form eines Systems miteinander verbunden. Die Untersuchung und Behandlung der Faszien bildet einen zentralen Punkt im osteopathischen Therapieansatz und zieht sich durch alle drei genannten Bereiche.
Die osteopathische Untersuchung und Behandlung erfolgt hauptsächlich mit den Händen, d.h. es werden zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken keine Geräte verwendet. Laborbefunde, Röntgenbilder etc. stellen jedoch in vielen Fällen eine notwendige Grundlage für den Behandlungsaufbau dar.
Im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes, wird zunächst einmal eine ausführliche Anamnese erhoben. Auch lange zurückliegende Unfälle oder Erkrankungen können wichtig sein. Daneben werden auch psychische, berufliche und familiäre Faktoren miteinbezogen.
In diesem Zusammenhang sind für den osteopathisch tätigen Arzt folgende Fragen von besonderer Wichtigkeit:
Es wird versucht, bereits aufgrund dieser Details ein Bild möglicher chronologischer und funktioneller Zusammenhänge herzustellen. Vor allem bei Problemen, die sich scheinbar „aus dem Nichts“ heraus, ohne ersichtlich Anlass entwickelt haben, ist oft jedes noch so kleine Puzzle von Bedeutung und kann den therapeutischen Erfolg manchmal gravierend beeinflussen.
Die aus dem Patientengespräch gewonnenen Informationen müssen bei Bedarf durch weitere Befunde (Röntgen, MRI, CT, Labor, etc.) ergänzt werden.
Durch Beobachten des Haltungsmusters und bestimmter Bewegungsabläufe (z.B. Gehen, Vorbeugen aus dem Stand, etc.), durch Betasten und Erfühlen von Spannungen, durch Testen der Beweglichkeit der Gelenke, des Geweben und der Organe, sowie mittels Durchführung spezifischer Tests, erhält man viele wichtige Informationen.
Es geht wiederum darum, ein Gesamtbild zu entwerfen und nicht nur einen Teil zu betrachten, um mögliche Zusammenhänge, die für das Problem verantwortlich sind, aufzudecken.
Aus den aus Anamnese und Untersuchung gewonnenen Eindrücken wird ein Behandlungsschema entworfen. In der Praxis gehen Untersuchung und Behandlung nahtlos ineinander über. Es sollte auf Grund der bisherigen Informationen auch nicht mehr eigenartig erscheinen, wenn bei einem Cervicalsyndrom vielleicht auch die Lendenregion, das Abdomen oder die Fußgelenke behandelt werden.
Aus der Fülle der zur Verfügung stehenden Techniken werden jene ausgewählt die der Konstitution der Patientin/des Patienten. , dessen Beschwerdebild mit all seinen Facetten und Zusammenhängen und dessen Persönlichkeit am besten entsprechen. Es ist demnach nicht möglich, zu beschreiben, wie eine Behandlung exakt aussieht, weil sich diese immer an der jeweiligen momentane Situation orientiert. Prinzipiell ist eine osteopathische Behandlung großteils schmerzfrei, der Patient kann jedoch spüren, dass sich da „etwa tut“.
Vorweg möchte ich betonen, dass die Osteopathie keine Wundermethode darstellt, die alle Beschwerden beseitigen kann. In diesem Sinne ist es auch wesentlich, möglichst in der ersten Sitzung klar herauszufinden, ob das bestehende Problem überhaupt einer osteopathischen Behandlung zugänglich ist.
Zu den klassischen Arbeitsgebieten der Osteopathie gehören im wesentlichen die unten angeführten Beschwerdebilder. Diese Liste ist sehr allgemein gehalten.
Ob oder wie weit eine osteopathsiche Behandlung in diesen Fällen Abhilfe schaffen kann, muss stets individuell geklärt werden!
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch Menschen ohne aktuelle Beschwerden häufig funktionelle Störungen aufweisen und daher auf Wunsch auch eine prophylaktische Behandlung möglich ist.
Aus meiner bisherigen mehrjährigen Erfahrung mit der Osteopathie kann ich sagen, dass sie in vielen Fällen eine wesentliche Besserung und mitunter auch eine völlige Heilung von oft lange bestehenden Beschwerden ermöglicht.
Die im Vergleich zur Chiropraxis und manuellen Medizin sanfteren Behandlungstechniken ermöglichen es, nahezu bei jedem Menschen eine Behandlung durchzuführen. So stellt zum Beispiel Osteoporose keine unbedingte Kontraindikation dar.
Dr. Erwin Rebhandl
Arzt für Allgemeinmedizin
Manuelle Medizin, Osteopathie